Freifeldfunk im Sommer 2025: Wert-voll und unentbehrlich
„Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich“ ist der Slogan des diesjährigen Denkmaltags. Auf dessen Cover ein Ausschnitt aus der Freien Feldlage abgebildet ist! So z. B. am Erfurter Hauptbahnhof gesehen. Wir freuen uns und hoffen wieder auf zahlreichen Besuch! Zumal wir unser Angebot dieses Jahr ausweiten. 2 Sonderführungen nehmen wir neu ins Programm auf: eine Außengeländeführung mit Fokus auf Natur- und Umweltschutzschutz, sowie eine Zukunftsführung, bei der an verschiedenen Orten des Geländes ausgemalt wird, in welche Richtung wir sie entwickeln möchten. Daneben gibt es natürlich wieder ein leckeres gastronomisches Angebot.
Also kommt gern vorbei am Sonntag, den 14. 9. oder gebt die Einladung weiter! Wir freuen uns auf Besuch! Für ehemalige Mitarbeiter:innen und Patient:innen gilt wie letztes Jahr: Meldet euch zu unserem Ehemaligentreffen am 13.9. an, damit wir euren Geschichten lauschen können (grünes Plakat).
So viel erst mal zur Zukunft, nun zurück in die Gegenwart und Vergangenheit:
„Unentbeerlich“ werden uns die Beerensträucher in der Permakultur-Hecke, die vor 2,5 Jahren gepflanzt wurden und dieses Jahr übervoll waren mit leckeren Früchten. (Ebenso wie manch andere Obstgehölze auf unserem Gelände.) Die Pflanzung erfolgte im Rahmen der Beschäftigung mit Permakultur, ein Konzept, das wir weiterhin regelmäßig weitergeben. So fand dieses Jahr im Mai über die Volkshochschule eine Kräuterwanderung statt, bei der Wildkräuter und Permakultur in einen Zusammenhang gebracht wurden. Viele der Permakulturprinzipien lassen sich darauf anwenden, z. B. „nutze und schätze Vielfalt“. Auch bei der Holzwoche im April gab es wieder einen Permakultur-Input in Zusammenhang mit Waldnutzung.
Frühäpfel - Welch ein Schmaus!!
Auch im Garten läuft es gerade prima: Dank Schneckenzaun und unseren engagierten Gärtner:innen hatten wir 80 Salatköpfe, viel Kohlrabi, Gurken, Rote Beete, Zwiebeln, Mangold, Bohnen und einiges mehr. Leider fehlt uns weiterhin ein Gewächshaus für Tomaten, sodass wir auf die Balkone ausweichen – also wenn du eine Idee hast für ein günstiges aber großes Gewächshaus, oder uns eins bauen möchtest, melde dich.
Viele Menschen, viele Themen.
Um noch mal auf das Thema Werte zurückzukommen: Da führen wir aktuell viele Debatten drüber. Scheinbar braucht es alle paar Jahre einen Gemeinschaftsprozess, eine Art „Werte-Besinnung“: Wer legt welchen Wert eigentlich wie aus und wie stehen wir insgesamt zu unseren Werten? In diesem Rahmen sind wir dabei, Eckpfeiler festzulegen. Im Gegensatz zu bewusst eher offen formulierten Werten sind Eckpfeiler klarere festere Charakteristika. Wir konnten uns schon einigen auf „Wir nutzen digitale Kommunikation.“ Der Rest ist im Prozess – da hat der Newsletter noch nicht mal richtig angefangen und hier schon ein Cliffhanger, sorry not sorry.
Das ist aktuell nicht die harmonischste Phase, aber wichtig, um Grundsteine zu legen, wo es für die Freie Feldlage hingeht. Gleichzeitig wachsen gerade zu unserer großen Freude einige neue Leute an: 4 Erwachsene und 2 Kinder (und 2 Lamas!) sind zu uns gezogen und ein paar andere sind regelmäßig zu Besuch.
Wir sind zu viele geworden für eine geradlinige Erzählung: In der Freien Feldlage passiert vieles parallel. Wir werden mehr Menschen, das ermöglicht mehr Projekte. Die Überforderung, zu viele Aufgaben zu haben, bleibt bestehen. Wir wollen halt auch viel erreichen. Und differenzieren uns individuell mehr aus in die Richtungen, die uns jeweils mehr gefallen und interessieren. Eigentlich müsste immer wer anders den Newsletter schreiben, um die Vielfalt an Perspektiven, Tätigkeitsbereichen und Geschehnissen zu erfassen und abzubilden. „Eine Welt, in der viele Welten Platz haben“ wie die Zapatistas sagen. Und ein regelmäßiger Prozess zu klären, welche Welten nicht Platz haben sollen. Und welche wir gern hätten, aber wir unbewusst ausschließen und etwas ändern sollten.
Viele Menschen waren auch bei der Holzwoche im April: phänomenale sensationelle nicht 20, nicht 30, sondern 40 Anmeldungen, ein neuer Rekord! Es waren nicht alle die ganze Woche dabei, aber es war schon sehr spürbar, dass wir mehr waren als sonst. An der Gruppendynamik und am Geschafftem! Es wurden auch Hecken geschnitten, das Klärbeet bekam seinen „Frühlingsputz“ – und wie üblich wurde Holz für die Heizsaison bearbeitet und Kettensägenkurse gegeben und besucht. Sehr schön wars auch mit und für die Kinderbande, die sich bildete aus den ca. 10 anwesenden Kindern. Und natürlich mit leckerem Essen und abwechslungsreichem Abendprogramm, wie Sauna und ein fachkundiger Input zu Permakultur.
Das klingt so schön, da wollt ihr auch dabei sein? Eure nächste Chance kommt von 7.-12. Oktober. Meldet euch gern an per Mail an holzwoche@freiefeldlage.de
Viele Events für viel Außenwirkung.
Dieses Jahr hatten wir so viele eigene Veranstaltungen wie noch nie!
Vom neuen Format des Mitmachtages haben wir ja bereits berichtet. Ein zweiter dieser Art fand im April statt, um unser Veranstaltungsgelände sommerfit zu machen für die vielen Buchungen dieses Jahr. Auch in diesem Rahmen hatten wir wieder schöne Events, vom AltShift Festival, bei dem 150 junge Menschen mehr über globale Bewegungen für solidarisches Wirtschaften lernen; übers FingersWelt-Technik-Forum bis hin zu unserer größten Veranstaltung dieses Jahr: das Scheppern auf Brettern, ein Elektro-Festival mit etwa 800 Gästen. Fulminant! Die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt klappte hervorragend und diejenigen Bewohner:innen, die nicht vor dem Krach geflüchtet waren, verbrachten eine gute Zeit. In dem Rahmen wurde auch unser leckeres veganes Eis aus eigener Produktion ausgegeben. Für weitere Veranstaltungen haben wir immer noch Platz und Kapazitäten, also erzählt das gern weiter!
Heraushebenswert sind noch das Erzählcafé im Soziokulturellen Zentrum Athina: Bei dem monatlichen Format berichteten wir im April über die Freie Feldlage, damit Menschen aus Harzgerode mehr von uns mitbekommen. Es kamen viele interessierte Rückfragen und Unterstützungsangebote zurück. Und wir sind auf einem guten Weg, in der Gegend bekannter und weniger geheimnisvoll zu werden. Davon erzählte auch ein sehr schöner Zeitungsartikel von Susanne Thon, der in der Mitteldeutschen Zeitung über uns erschien.
Ein weiteres Highlight war unser erster Kindertag. Am 31.5. machten wir im kleinen Stil das, was in DDR-Klinikzeiten immer am 1.6. stattfand: Spiel und Spaß für die Kinder. Unsere großen Träume fingen wir erst mal klein an, denn wir lernen ja schließlich auch ein bisschen, uns nicht zu doll zu überlasten – oder es zumindest zu versuchen. Also kamen etwa 30 Kinder, es gab Puppentheater zum Anschauen und verschiedene Stationen zum Aktiv werden: Puppen aus Socken basteln, Infos zu Bienen und Honig ‚ernten‘, sowie Wildkräuter unseres Geländes kennenlernen und zubereiten. Von dem ersten positiven Test kann das Event nun wachsen an Kinderzahl und auch mit Kooperation mit andern regionalen Vereinen.
Auch die anderen Aktivitäten dürfen noch mehr und größer werden. Allerdings braucht es dann natürlich noch mehr Menschen, die sich involvieren und kümmern – wie in quasi jedem Arbeitsbereich … Na, ihr merkt wahrscheinlich anhand meines Fokus, dass ich im Außen-Schirm = in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv bin.
Es gäbe noch viiiel zu erzählen, u.a. das großartige Konzert von Oak, einer regionalen Quedlinburger Band. Aber jetzt reichts.
Die Welt da draußen
Heute zwischendurch mal was zum Traurig und Wütend machen: Das sind auch wichtige Gefühle. Keine angenehmen natürlich, aber Gefühle, die uns antreiben können etwas zu ändern. Wir wollen uns ja nicht nur um uns selber drehen, daher heute ein kurzer Exkurs zu Free Maja: Maja ist ein:e deutsche:r Antifaschist:in und war 2023 in Ungarn zur Demo gegen den „Tag der Ehre“, der von Rechtsextremisten aus ganz Europa für ihre Zwecke genutzt wird. Maja wird vorgeworfen, an einem schweren Angriff auf mehrere Rechtsextreme beteiligt gewesen zu sein. Daher saß Maja erst in einem deutschen Gefängnis und wurde dann rechtswidrig nach Ungarn abgeschoben in entwürdigende Bedingungen. Dort drohen Maja bis zu 24 Jahre Haft, eine unverhältnismäßig hohe Strafe. Seitdem gibt es viele Bemühungen Maja zurückzuholen. Auch wir möchten uns solidarisieren. Maja ist kein Einzelfall. Die Urteile für Menschen, die sich gegen Faschismus einsetzen und für Menschenrechte und eine bunte offene Gesellschaft, fallen oft viel härter aus als für Rechtsextreme und ihre menschenfeindlichen Taten. Auch in der Anzahl macht die Statistik einen klaren Unterschied deutlich.
Ein kleinerer Teil der Welt da draußen sind die Netzwerktreffen von Kommuja (Netzwerk politischer Kommunen) und GEN (Global Ecovillage Netzwork), beide schon des Öfteren erwähnt. Bei beiden waren wir dieses Jahr wieder vertreten, ebenso wie beim Los Geht’s, einem Camp um das Leben in Gemeinschaft sowie verschiedene Gemeinschaften kennenzulernen. Von überall gibt es Impulse mitzunehmen. Erwähnen möchten wir ein Theaterstück von zwei Menschen palästinensischen bzw. israelischen Hintergrunds, die gemeinsam die Verletzungen auf beiden Seiten thematisierten und problematisierten, mit dem Beispiel des Za’atar, eines Krautes dessen Sammeln aus politischen Gründen verboten wurde.
Was Schönes zum Schluss
Und weil wir ja dazu neigen zu denken, dass alles immer schlimmer wird (es gibt viele gute Gründe das zu denken), zum Abschluss noch ein positiverer Blick auf die Menschheit: Was wäre, wenn viele der Experimente, die den bösen Charakter der Menschen offenbaren, gar nicht zutreffen? Wenn Menschen keine komplexen Bürokratien und Regelwerke bräuchten, um sich gegenseitig voreinander zu schützen? Der Historiker Rutger Bregman untersucht dies in seinem Buch und findet viele wissenschaftliche Nachweise, die dafür sprechen, dass wir Menschen wohlmeinender sind als wir voneinander denken. Für diesen „neuen Realismus“ werden viele Beispiele vorgestellt, z. B. ein erfolgreiches selbstorganisiertes Pflege-Unternehmen, in dem die Mitarbeitenden das Personalmanagement selber übernehmen. Mit dem Ergebnis: höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, höhere Qualität, niedrigere Preise. Die Kritischen unter uns wünschen sich wahrscheinlich noch mehr Problematisierungen der Positivbeispiele. Aber das Buch liefert viele schöne motivierende Denkimpulse.
Ausblick auf die nächsten Veranstaltungen
- Samstag, 13.9. Ehemaligentreffen – bitte anmelden per Mail an ehemalige[at]freiefeldlage.de
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Sonntag, 14.9. Denkmaltag von 10-16 Uhr Führungen jeweils zur vollen Stunde. Dieses Jahr neu mit Sonderführung: –> 11 Uhr Naturführung –> 13 Uhr Zukunftsführung: Was soll hier entstehen? Und wie gewohnt mit gastronomischer Versorgung.
- Samstag, 20.9. 13-16 Uhr Fest der Waldfrüchte beim Waldhof in Silberhütte (Wir sind mit einem Stand vertreten.)
- Sonntag, 6.10. Kräuterwanderung 14-17 Uhr - bitte hier anmelden
- Samstag, 15.11. Workshop: Aufstriche selber machen von 9:30-12:30 Uhr - bitte hier anmelden












